Halb zehn, bevor jemand kommt
Wir haben um 09:30 Uhr mit dem Paarshooting angefangen, also vor allem anderen. Bei einer kleinen Hochzeit ist das meistens die bessere Reihenfolge. Später am Tag gibt es keinen langen Ablaufplan, in dem sich eine Stunde für zwei Personen unbemerkt unterbringen lässt, und in einer Runde von zwanzig Leuten fällt sofort auf, wenn das Paar fehlt.
Am Morgen ist außerdem noch nichts passiert, was ablenkt. Christopher und Mike hatten Zeit, sich an die Kamera zu gewöhnen, bevor jemand zuschaute. Diese erste Stunde nutze ich weniger zum Fotografieren als zum Kennenlernen. Was danach entsteht, wird lockerer, weil wir uns bis dahin nicht mehr fremd sind.
Zwanzig Menschen, ein Raum
Um 11:00 Uhr war die Trauung. Zwanzig Gäste verändern meine Arbeit vollständig. Bei hundert Leuten bin ich der Fotograf am Rand, den kaum jemand wahrnimmt. Bei zwanzig bin ich ein Anwesender mehr, und jeder Schritt, den ich mache, ist zu hören. Also mache ich weniger Schritte und bleibe länger an einer Stelle stehen.
Der Vorteil ist, dass ich hier wirklich alles mitbekomme. Es gibt keine Reihe, die ich nicht sehe, und keinen Gast, der auf den Bildern später fehlt. Bei einer großen Feier muss ich ständig auswählen, wen ich gerade fotografiere. Bei zwanzig Menschen kann ich am Ende des Tages jeden Einzelnen zeigen.
Gruppenbilder ohne Liste
Ab 12:30 Uhr kamen die Gruppen- und Gästefotos. Bei einer großen Hochzeit arbeite ich diesen Teil mit einer vorher abgestimmten Liste ab, sonst dauert er zu lange. Hier brauchte es das nicht. Wenn zwanzig Menschen da sind, sind alle Kombinationen in kurzer Zeit fotografiert, ohne dass jemand warten oder nach Leuten rufen muss.
Ich fotografiere in solchen Runden zusätzlich jeden Gast einzeln oder in kleinen Grüppchen. Bei hundert Gästen wäre das ein eigener Arbeitstag, bei zwanzig ist es eine halbe Stunde. Für ein Paar sind das später oft die Bilder, die bleiben, weil genau diese zwanzig Menschen eingeladen waren und keine zwanzig anderen.
Fünfzehn Minuten zu Fuß
Zwischen den beiden privaten Adressen liegt ein Fußweg von fünfzehn bis zwanzig Minuten, an dessen Ende der Garten wartete. Eine Gesellschaft von zwanzig Personen kann so etwas einfach machen. Bei hundert Gästen wären daraus Shuttles, Absprachen und ein Zeitpuffer geworden, hier war es schlicht ein gemeinsamer Weg durch den Ort.
Für mich sind solche Wege die ergiebigsten Abschnitte eines Tages. Niemand steht in Position, alle reden miteinander, die Gruppen mischen sich neu. Ich gehe ein Stück voraus, drehe mich um und fotografiere zurück in den Zug hinein. Diese Bilder sehen später weniger nach Hochzeit aus und mehr nach dem Tag, wie er war.
Torte und Kaffee im Garten
Ab 13:00 Uhr wurde im Garten gefeiert, mit Kaffee und Hochzeitstorte. Ich habe weiter Gästefotos gemacht, diesmal beiläufig, zwischen Tischen und Gesprächen. Ein privater Garten fotografiert sich anders als eine Location. Es gibt keine Bühne, kein Programm und keine Ecke, die eigens für Fotos gedacht wäre. Man arbeitet mit dem, was da ohnehin steht.
Sechs Stunden reichen für einen Tag in dieser Größe gut aus. Bei zwanzig Gästen wiederholt sich wenig, und man muss nicht bis Mitternacht bleiben, um die Feier erzählt zu haben. Ich habe am Nachmittag aufgehört zu fotografieren, als die Runde im Garten längst bei sich angekommen war.
Details
- Location
- Standesamt, danach der eigene Hausgarten in Herbolzheim
- Trauung
- Standesamtliche Trauung, 11:00 Uhr
- Gäste
- ca. 20
- Paket
- 6 Stunden Begleitung
- Fotos
- 175+ bearbeitete Bilder