Vor der Tür, eine Stunde zu früh
Der Tag begann für mich vor dem House Solms in Karlsruhe. Bei einem Standesamtstermin am späten Vormittag ist die Zeit vor der Trauung knapp, deshalb bin ich früh da. Ich schaue mir den Raum an, prüfe, wie das Licht durch die Fenster fällt, und suche mir die zwei, drei Positionen, von denen aus ich später arbeiten kann, ohne jemandem im Weg zu stehen.
Kathy und Daniel hatten sich im Vorgespräch etwas gewünscht, das ich gern höre: natürliche Bilder, nichts Aufgestelltes. Das ändert vor allem, wie ich mich bewege. Statt Ansagen zu machen, bleibe ich im Hintergrund und lasse den Ablauf so laufen, wie er ohnehin geplant ist. Vierzig bis fünfzig Gäste waren da, eine Größe, bei der man den ganzen Tag den Überblick behält.
Fünfundvierzig Minuten
Um 11:30 Uhr begann die standesamtliche Trauung, um 12:15 Uhr war sie vorbei. Ein Standesamt gibt den Rahmen enger vor als eine freie Trauung: fester Raum, feste Stühle, wenig Bewegungsfreiheit. Ich fotografiere dort leise, ohne Blitz und meist mit einer lichtstarken Festbrennweite, und wechsle die Position nur, wenn im Ablauf ohnehin gerade etwas anderes passiert.
Was in so einer Dreiviertelstunde zählt, sind die festen Punkte: der Einzug, die Fragen, die Ringe, die Unterschriften. Dazwischen bleibt Zeit für das, was ich eigentlich suche, nämlich die Gesichter in den Reihen. Bei einer kleinen Runde sitzen dort fast nur Menschen, die den beiden nahestehen, und das sieht man den Bildern später an.
Zehn Minuten zu Fuß
Vom Standesamt in den Schlosspark sind es zu Fuß etwa zehn Minuten. Für mich sind solche Wege der nützlichste Teil eines kurzen Tages. Die Gruppe zieht sich auseinander, es wird geredet, jemand bleibt stehen, jemand holt auf, und niemand denkt mehr an die Kamera. Ich gehe ein Stück voraus und drehe mich immer wieder um.
Das ist auch der Moment, in dem sich ein Paar zum ersten Mal seit dem Morgen kurz sortieren kann. Ich halte dann Abstand und fotografiere aus der Distanz. Wer nach einer Trauung zehn Minuten an der frischen Luft läuft, kommt anders am Sektempfang an, als wenn er direkt vom Stuhl an den Tisch wechselt.
Sekt im offenen Garten
Im offenen Garten im Schlosspark gab es Sekt und Fingerfood. Kein abgesperrter Bereich, keine Bühne, einfach eine Fläche im Park, auf der sich die Gäste verteilt haben. Für Bilder ist das angenehm, weil sich Grüppchen von selbst bilden und wieder auflösen und ich nur dabeibleiben muss, statt etwas zu organisieren.
Dazu kamen die Aufnahmen mit den Gästen, und zwar ausdrücklich ungestellt. Kathy und Daniel wollten keine Reihe von Paaren, die nacheinander vor die Kamera treten. Also bin ich zwischen den Gruppen mitgelaufen und habe fotografiert, wer gerade mit wem zusammenstand. Das dauert länger als eine Aufstellung, sieht hinterher aber nach dem Tag aus, den es tatsächlich gab.
Halb zwei, einmal alle
Um 13:30 Uhr kamen die Gruppenfotos. Ganz ohne geht es selten, weil sich nach einer Hochzeit fast immer jemand ein Bild mit allen wünscht. Wir haben diesen Block deshalb kurz gehalten: eine große Aufstellung und die engsten Konstellationen, vorher abgesprochen, damit niemand länger als nötig auf seinen Auftritt wartet.
Am besten läuft dieser Teil, wenn eine Person aus dem Kreis der Gäste beim Zusammenrufen hilft. Für die Aufnahme selbst brauche ich wenig Zeit, das Suchen kostet sie. Danach löste sich die Runde wieder auf, und der Nachmittag ging genau so weiter, wie er vorher gelaufen war.
Drei Uhr, nur die beiden
Um 15:00 Uhr sind wir zu dritt losgegangen, Kathy, Daniel und ich. Der Schlosspark gibt dafür genug her: Wege, Bäume, Schatten, offene Flächen. Ich sage bei so einem Shooting wenig, gebe eher eine Richtung als eine Pose vor und lasse die beiden dann in Ruhe gehen und stehen.
Bei einem Paar, das ausdrücklich nichts Gestelltes wollte, ist das ohnehin der einzig sinnvolle Weg. Ich fotografiere die Momente zwischen zwei Hinweisen, wenn einer etwas sagt und der andere darauf reagiert. Nach vier Stunden Begleitung war das der ruhigste Teil des Tages, und aus solchen Stunden kommen meist die Bilder, die später an der Wand hängen.
Details
- Location
- House Solms, Karlsruhe
- Trauung
- Standesamtliche Trauung, 11:30 Uhr
- Gäste
- ca. 45
- Paket
- 4 Stunden Begleitung
- Fotos
- 100+ bearbeitete Bilder