Elf Uhr, bevor es losgeht
Um elf Uhr habe ich angefangen. Eine Stunde Getting Ready ist knapp, deshalb gehe ich in dieser Zeit wenig herum und arbeite eher ruhig: die Sachen, die bereitgelegt sind, die letzten Handgriffe, die Hände von Leuten, die helfen. Wenn ich zu viel dirigiere, geht genau das verloren, was diese Stunde ausmacht.
Für den Sängerhof war das gut planbar. Um zwölf war dieser Teil durch, und wir hatten eine halbe Stunde Luft, bevor das Paarshooting anfing. Diese Puffer baue ich bei jedem Ablauf ein, weil sich der Morgen einer Hochzeit fast nie exakt an den Plan hält und ich lieber warte, als hinterherzulaufen.
Zwei Stunden vor der Trauung
Von halb eins bis halb drei gehörte die Zeit Hannah und Simon. Zwei Stunden sind viel, und genau das ist der Punkt: Die ersten zwanzig Minuten braucht fast jedes Paar, um sich an die Kamera zu gewöhnen. Danach wird es leichter, und ab da entstehen die Bilder, die man später wirklich behält.
Das Shooting vor der Trauung hat einen praktischen Vorteil: Kleidung, Haare und Make-up sind frisch, und niemand muss nach der Zeremonie den Gästen entzogen werden. Wir sind über das Gelände gegangen, haben ein paar Stellen ausprobiert und zwischendurch einfach Pause gemacht. Ich sage in solchen Stunden wenig und fotografiere vor allem das, was ohnehin zwischen den beiden passiert.
Gemeinsam den Gang entlang
Um halb drei begann die freie Trauung unter freiem Himmel, mit achtzig bis neunzig Gästen. Hannah und Simon sind zusammen eingezogen, nicht getrennt. Das kommt öfter vor, als man denkt, und für mich ändert es die Arbeit: Statt einer Person, die den Gang entlangkommt, habe ich zwei, und die Reaktionen der Gäste verteilen sich anders.
Während einer Zeremonie stehe ich nicht vorne. Ich gehe außen herum, wechsle zweimal die Seite und halte fest, was passiert, ohne dass jemand etwas davon merkt. Bei einer Trauung im Freien schaue ich zusätzlich auf das Licht: Eine Stunde am Nachmittag kann sich stark ändern, und man will nicht mittendrin anfangen, an den Einstellungen zu drehen.
Hundertzehn Leute, ein bisschen anders
Hannah und Simon hatten sich kreative Gruppenfotos gewünscht, und das haben wir nach der Trauung gemacht. Bei hundertzehn Gästen ist so ein Block vor allem Organisation. Ich stimme die Kombinationen vorher ab und bitte um jemanden aus der Familie, der die Leute zusammenholt. Sonst dauert es eine Stunde, in der sich niemand amüsiert.
Kreativ heißt bei mir nicht kompliziert. Eine erhöhte Position, eine Gruppe, die nicht in Reihen steht, ein Hintergrund, der zum Ort passt: mehr braucht es meistens nicht, damit ein Gruppenbild nicht wie ein Klassenfoto aussieht. Und weil so ein Bild später oft das einzige ist, auf dem wirklich alle drauf sind, nehme ich mir dafür Zeit.
Torte um halb fünf
Um halb fünf wurde die Torte angeschnitten, drinnen. Der Anschnitt dauert selten länger als eine Minute, deshalb stelle ich mich vorher hin und kläre kurz, aus welcher Richtung ich fotografiere. Interessanter als der Schnitt selbst ist ohnehin der Ring aus Gästen darum herum, die alle gleichzeitig ihre Handys hochhalten.
Um sechs gab es Flammkuchen und Snacks. Diese Phase steht in keinem Ablaufplan als etwas Wichtiges drin, ist für die Bilder aber eine der besten: Alle sitzen, reden, stehen wieder auf, und niemand achtet mehr auf mich. Ich laufe dann viel und fotografiere das, was zwischen den Tischen passiert.
Neun Uhr, letzte Aufnahme
Um neun Uhr war der Eröffnungstanz, und damit endete auch meine Zeit. Neun Stunden am Stück sind lang, und der erste Tanz als letzter Programmpunkt der Begleitung hat einen Vorteil: Ich weiß genau, worauf ich hinarbeite, und muss danach nichts mehr aufsparen. Für den Tanz gehe ich auf ein festes Licht und bleibe in Bewegung, damit nicht alle Bilder aus derselben Ecke stammen.
Am Ende wurden es über dreihundert bearbeitete Bilder. Hannah und Simon haben sie auf einem USB-Stick bekommen und zusätzlich als Online-Galerie, die sie mit den Gästen teilen können. Beides zusammen liefere ich gern: Der Stick bleibt, auch wenn irgendwann kein Link mehr funktioniert, und über die Galerie sehen alle die Bilder, ohne dass jemand Dateien verschicken muss.
Details
- Location
- Sängerhof Eventlocation, Rheinau
- Trauung
- Freie Trauung unter freiem Himmel
- Gäste
- ca. 110
- Paket
- 9 Stunden Begleitung
- Fotos
- 300+ bearbeitete Bilder